Gemeinde Mhlhausen

Seitenbereiche

Jahreszeit
wechseln:

Allgemein

Der Weinbau in Mühlhausen

Urkundlich erhielten wir im Jahre 976 Nachricht über den Weinbau in Mühlhausen. Am 15. November jenes Jahres schenkte Kaiser Otto II die Benediktinerabtei Mosbach dem Bischof Anno von Worms. In der in lateinischer Schrift abgefaßten Urkunde werden als Eigentum der Abtei Mosbach 23 Dörfer gezählt, darunter Mühlhausen. 

Doch die Anfänge des Weinbaus in unserer Region wurden immer mit der Zeit der Römer um Christi Geburt in Verbindung gebracht. Um das Jahr 900 gab es in unserer Gegend 80 verschiedene Rebsorten. Die Weingärten waren im "Kammerbau" angelegt, d.h. die Reblauben bestanden aus Pfählen, die man "Stiefel" nannte und Querhölzern, sogenannte "Trudern".

Geschichte des Weinbaus

In den Jahrhunderten vor dem Dreißigjährigen Krieg florierte die Weinerzeugung. Der Geschmackstrend tendierte damals eindeutig zu "süßlichen" Weinen. Besonders begehrt waren Mallvasier und Muskateller aus Griechenland, aber auch Traminer, Clevner, Elber, Albaner und Silvaner wurden zu dieser Zeit aus Tirol eingeführt und angebaut. Als Massenträger waren die Rebsorten sehr ergiebig und so erntete mancher Landwirt weit mehr als er für den eigenen Bedarf benötigte. Deshalb war es ihm erlaubt, für eine bestimmte Zeit Schankwirt zu sein, um den überschüssigen Landwein loszuwerden. Auf diese Weise entstanden die Busch-, Besen- oder Straußwirtschaften.

Die Fürstbischöfe von Speyer steuerten dem Anbau der ergiebigeren Weinsorten, die den Markt eroberten, entgegen, indem sie den Qualitätsanbau förderten. Zu dieser Zeit wurden die edlen Rebsorten von einem sich verbreitenden Schädling, dem Rebstecher, befallen. Neben Betstunden wurde auch mit natürlichen Mitteln versucht das Übel zu lindern, namentlich durch Ablesen und Verbrennen der mit den Eiern dieses Ungeziefers belegten Rebenblätter.

Im Jahre 1781 waren auf Mühlhausener Gemarkung ungefähr 34 Morgen mit Reben bepflanzt. Die Herrschaft verlangte von dieser Rebfläche ein Fuder, zwei Ohm und drei Viertel an Weinzinsen (knapp 2000 Liter).

Winzergenossenschaft Mühlhausen eG

Die alten Rebgebiete waren nur durch Fußpfade erschlossen. Pfähle, Dünger, Kompost und seit der Jahrhundertwende auch Spritzlösungen wurden auf dem Rücken den Hang hinaufgetragen. Desgleichen trugen die Winzer die Trauben und das Rebholz aus den Pfahlweinbergen auf Rückentragen in den Ort hinunter. Gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewann der Weinbau in unserem Dorf immer mehr an Bedeutung. Einige fortschrittliche Landwirte erkannten bereits damals die Notwendigkeit einer Rebflurbereinigung mit der planmäßigen Kultur von Pfropfreben. Überwiegend wurden alte Gewächse gepflegt. Flächenmäßig bedeutend waren 15 verschiedene Sorten.

Dem langjährigen Vorsitzenden des hiesigen Obst- und Gartenbauvereins, Oskar Rühl, gelang es nach langer Aufklärungsarbeit, daß sich Ende der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts in Mühlhausen die Erkenntnis durchsetzte, daß mit neuzeitlichen Anbaumethoden und bei Wahl geeigneter Rebsorten ein rentabler Weinbau durchaus möglich sei. Dies führte schließlich zu einer Flurbereinigung mit dem heutigen Gebietsnamen "Heiligenstein" mit den Rebsorten Riesling und Müller-Thurgau.

Im Jahre 1974 gründeten 19 Mitglieder unter Vorstand Eugen Greulich die Winzergenossenschaft Mühlhausen eG, als Traubenerfassungsgenossenschaft. Diese ist Mitglied beim Winzerkeller Wiesloch, wo die Weine ausgebaut und vermarktet werden. Auf Grund der geologischen Struktur gehören der Winzergenossenschaft Mühlhausen auch viele Winzer aus den Ortsteilen Rettigheim und Tairnbach, sowie Winzer der Nachbargemeinden Angelbachtal und Eschelbach an. Rechtzeitig zur Weinlese 1975 entstand im Gewann "Fraubronnen" eine neue Winzerhalle, die auch noch heute zu den modernsten Anlagen zur Traubenanlieferung zählt. Die Rebenanbaufläche wurde durch eine Teilflurbereinigung im Gewann "Lichtengrund" erweitert, wo heute ein guter Tropfen des blauen Spätburgunders wächst.

Mehr Klasse als Masse

Im 25. Jahr ihres Bestehens war die Mitgliederanzahl der Winzergenossenschaft Mühlhausen eG auf 111 angewachsen.

Zur Zeit werden hauptsächlich die Traubensorten Riesling, Müller-Thurgau, Weißburgunder, blauer Spätburgunder und Ruländer auf einer Fläche von 33,7 Hektar mit einem Durchschnittsertrag von 300.000 kg verarbeitet.

Die Winzer erzeugen heute ihre Weine nach der Erkenntnis:
"Qualität ist wichtiger als Quantität - mehr Klasse als Masse."

Mehr Informationen im Heimatbuch Mühlhausen.