Gemeinde Mhlhausen

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Mühlhausen – ein Dorf erzählt seine Geschichte

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Kirche
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Wie die Landschaft unserer Heimat entstanden ist

Die ältesten auf unserer Gemarkung an der Oberfläche vorkommenden Gesteinsschichten gehören zum mittleren Keuper und entstanden vor rund 220 Millionen Jahren unter tropischen Bedingungen. Am Ostrand des Tairnbacher Tales wurde eine 70 Meter dicke Schicht des roten Mergels abgebaut, um das Hochwasserrückhaltebecken abzudichten. Über diesen Schichten folgt der 45 Meter mächtige Steinmergelkeuper, eine Schichtenfolge von grauen, grünlichen und rötlichen Tonmergelsteinen. 

Gut beobachten kann man diese Schichten an der Kreisstraße nach Dielheim. Sie sind aber sehr rutschgefährdet, wie ein Erdrutsch im Jahre 1910 in der Unteren Mühlstraße zeigte. Die 25 Meter messenden Tonsteine des Knollenmergels wurden im 19. Jahrhundert im Gewann „Leimengrube“ als Rohstoff für Ziegel abgebaut. Als Sandstein zum Bauen diente früher der 10 Meter mächtige, helle Rhätsandstein. Ein Steinbruch bestand im 19. Jahrhundert im Bereich der heutigen Schule und der Sportplätze, aber auch der Schleeberg mit seinen Hügelgräbern besteht aus diesem gelben Sandstein. 

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Vor ziemlich genau 200 Millionen Jahren drang ein warmes Meer in unseren Raum vor, das fossilreiche, tonige, mergelige und kalkige Ablagerungen hinterließ. Die älteste Schicht ist der sogenannte „Lias alpha“, eine Wechselfolge von Kalksteinen, Mergelsteinen und bitumösen Tonsteinen. Dort lassen sich Meerestiere als Versteinerungen finden: Tintenfische, Muscheln, Schnecken und sogar Reste von Ichthysauriern. Diese Schichten kommen im südwestlichen Teil der Gemarkung in den Gewannen „Lückenbusch“, „Rotschlag“ und „Hammelsgraben“ vor und wurden teilweise zum Kalkbrennen genutzt. 

Beim Bau der Umgehungsstraße wurden diese Schichten angeschnitten und viele Versteinerungen freigelegt. Darüber liegen die dunklen Steine des „Lias beta“. Sie sind ein ausgezeichneter Rohstoff für Ziegeleiprodukte. Schon zwischen 1546 und 1766 gab es im Gewann „Grombach“ bei der Östringer Waldkapelle eine Ziegelei. Dieser Rohstoff wird heute in der Tongrube Rettigheim ausgebeutet.

Das Quartär ist die Zeitspanne der letzten zwei Millionen Jahre, gekennzeichnet durch den Wechsel von Warm- und Kaltzeiten. Während der Eiszeiten bliesen die Westwinde feinen Gesteinsstaub aus der Rheinebene in den Kraichgau. Dies ist der wegen seiner Fruchtbarkeit so geschätzte Löß. Er kann Mächtigkeiten bis über 20 Meter erreichen und zeigt Farben von hellgelb bis grau. Zu Verbesserung des Bodens wurde der Löß früher im Gewann „Altenbach“ abgebaut. 

Häufig findet man darin Schnecken, aber auch Reste von Wirbeltieren. So stieß man bei der Verlegung der Wasserleitung im Jahre 1953 unter der Hauptstraße auf den Stoßzahn eines Mammuts (Museumshaus). Zwischen dem Löß lagerte sich brauner, kalkfreier Lößlehm, der im 19. Jahrhundert im Bereich der Uhlandstraße als Ziegeleirohstoff in einer Grube abgebaut wurde.

Menschen besiedeln unsere Heimat

Die ersten Spuren der Menschen reichen zurück in die Steinzeit. Als Jäger und Sammler durchstreiften sie ohne feste Behausung die Gegend. Ihre Werkstoffe waren Holz, Knochen und Stein. In der Jungsteinzeit (5500 v. Chr. – 2300 v. Chr.) begannen die Menschen mit dem Ackerbau und wurden damit wenigstens zum Teil sesshaft. Aus dieser Zeit stammt eine Pflugschar aus Stein, die im Schleebergwald gefunden wurde sowie eine Klinge aus Silex (Feuerstein), aus dem Waffen und Pfeilspitzen hergestellt wurden. Aus der Urnenfelderzeit (1200 v. Chr. – 850 v. Chr.) stammen Siedlungsreste und Scherben im Gewann „Altenbach“, darunter ein sogenanntes Mondidol, vermutlich ein Kultgegenstand. 

Während der Hallstattzeit (850 v. Chr. – 470 v. Chr.) verschlechterte sich das Klima im Kraichgau. Umso sensationeller ist es, dass im Süden von Mühlhausen mitten im Wald auf dem „Schleeberg“ ein Friedhof mit 76 Grabhügeln nachgewiesen werden konnte.  Ausgrabungsstücke wie Urnen, Schalen und Armreifen aus Bronze sind im Museumshaus ausgestellt. Aus der mittleren Laténezeit (470 v. Chr. – 50 v. Chr.) stammt ein Frauengrab auf dem „Haubachbuckel“ mit fünf Bronzearmringen sowie Siedlungskeramik aus dem Gewann „Mühlstätt“. Aus der Römerzeit (58 v. Chr. – 260 n. Chr.) gibt es Keramikfunde in der Nähe des „Stubenbrunnens“, die vermutlich zu einem römischen Aussiedlerhof („villa rustica“) gehörten. 

Von der Gründung des Dorfes über das Mittelalter bis zur Neuzeit

Wahrscheinlich wurde unser Dorf von Eichtersheim aus gegründet. Aufgrund der späteren kirchlichen Verhältnisse darf man Rotenberg, Tairnbach und Sternweiler als mittelalterliche Rodungsorte von Mühlhausen ansehen. Ursprünglich scheint Mühlhausen ein Königsgut gewesen zu sein, daneben gab es kleineren Adelsbesitz. So geht die erste urkundliche Erwähnung auf einen solchen Besitz zurück. 

Denn im Jahre 783 schenkte eine adelige Frau namens Geilwib (=stolze Frau) ihren Besitz in „Mulnhusen“ dem Kloster Lorsch. Große Teile des Ortes gelangten dann in den Besitz der Abtei Mosbach. Diesen Besitz übergab Kaiser Otto II. im Jahre 976 an den Wormser Bischof. Vor dem Jahre 1272 wurde der Bischof von Speyer Orts- und Grundherr in Mühlhausen. Mit kurzen Unterbrechungen gehörte der Ort bis zur Säkularisation 1802/03 zum Hochstift Speyer und kam dann an Baden.

Im Auftrag des Bischofs verwalteten adelige Lehensträger das Land. Dafür spricht der Fund eines Sarkophagrestes (1080/1150) und eines Stachelsporns bei der Kirche. Ab 1310 sind die Speyerischen Ministerialen (=Dienstherren) von Mühlhausen urkundlich belegt und bewohnen ihre Burg auf dem „Zwernig“, die vermutlich 1364 nach einem Streit zerstört wurde. Ihr Wappen zeigt ein vierspeichiges Mühlrad mit acht Schaufeln. 

Seit 1341 gab es das Amt Rotenberg, zu dem Mühlhausen bis 1803 gehörte. Im Rotenberger Schloss hatte ein bischöflicher Beamter seinen Sitz. Er verwaltete den Besitz der Herrschaft und übte die Gerichtsbarkeit aus. Seine Vertretung vor Ort war der von der Herrschaft eingesetzte Schultheiß. Die Dorfbewohner waren zu genau geregelten Dienstleistungen (Frondiensten) im Schloss und auf dessen Grundstücken verpflichtet. Dem Bischof gehörten auch die Jagd und die Schäferei.

Das Leben im Dorf

Bis ins 19. Jahrhundert war Mühlhausen ganz landwirtschaftlich geprägt. Die Bewohner waren Bauern und standen in Anhängigkeit zu einem adeligen Herrn. Deshalb waren sie zu bestimmten Abgaben verpflichtet. Der Ort bestand im Mittelalter aus kleinen Bauerngütern und größeren Gehöften. Der bedeutendste Hof im Mittelalter war der herrschaftliche Hof, der auch Verwaltungsaufgaben hatte. Er stand auf dem heutigen Parkplatz an der Oberen Mühlstraße. 

Darüber hinaus besaß der Bischof von Speyer noch weitere vier Höfe. Die Gemarkung des Dorfes war in Mühlhausen in drei große Fluren aufgeteilt, eine Sommer-, eine Winter- und eine Brachflur. Seinen Namen erhielt unser Dorf von den Mühlen. Das Gewann „Mühlstatt“ erinnert daran, dass ursprünglich auch am Tairnbach eine Mühle stand. Die Obere Mühle wird erstmals 1305 erwähnt und war im Besitz des St. Germansstifts. Bei der Unteren Mühle stammen die ersten Nachrichten aus dem Jahre 1368. Sie gehörte dem Allerheiligenstift in Speyer. Beide Mühlen waren in Erbpacht vergeben. Die Bewohner waren verpflichtet, ihr Korn dort mahlen zu lassen.

Eine Dorfordnung regelte das Leben

Die Dorfbewohner bildeten die Gemeinde. Volle Rechte hatten nur die Einwohner, die das Bürgerrecht erworben hatten, daneben gab es auch die Gruppe der Hintersassen und der Fremden. Das gemeinsame Eigentum der Gemeinde und der Bürger an Wiesen, Äckern, Wald und Wegen war die Allmende. 

Eine Dorfordnung regelte das Leben, über deren Einhaltung das Dorfgericht wachte. Ihm gehörten neben dem Schultheiß die Schöffen oder Geschworenen an. Sie wurden von der Gemeinde gewählt und von der Herrschaft eingesetzt. Zu ihnen zählte auch der Anwalt, der die Interessen der Gemeinde vertrat. Ursprünglich tagte das Dorfgericht im Freien. Seit dem 17. Jahrhundert ist ein Rathaus bezeugt, das an der Ecke der Hauptstraße zur Mauhecke stand. In den Jahren 1787/89 wurde in der Dielheimer Straße ein neues Schul- und Rathaus gebaut. 

Dem Schultheiß standen zwei Amtspersonen zur Seite, die bis zum Jahre 1832 Bürgermeister genannt wurden. Ihre Aufgabe war es, die Geschäfte des Gemeinderechners zu besorgen, Gemeindebeschlüsse durchzuführen, Nachtwachen zu kontrollieren, den Schultheiß bei der Einteilung und Überwachung der Frondienste zu unterstützen. Jeder Bürgermeister musste über die Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde getrennt vom andern Buch führen.

Geschichtliche Ereignisse in und um Mühlhausen

783 Erste urkundliche Erwähnung von Mühlhausen im Lorscher Codex

1180/1230 Zerstörungen durch Brand, archäologisch nachweisbar, geschichtlicher Hintergrund unklar.

1301 Belagerung und Eroberung Wieslochs durch König Albrecht im Streit um die Rheinzölle; Einflüsse auf Mühlhausen sehr wahrscheinlich.

1329 Der neue Bischof Walram von Speyer nimmt seinem Vorgänger Bertold von Straßburg die Burg Rotenberg durch Fehde ab. Man darf vermuten, dass Mühlhausen davon betroffen war.

1364 Zerstörung der Burg der Ministerialen von Mühlhausen auf dem „Zwernig“ durch den hochadeligen Krafto von Hohenlohe.

1462 Nach der Schlacht bei Seckenheim belagert Kurfürst Friedrich die Burg Rotenberg, die sich nach fünf Tagen ergibt. Bischof Johann von Speyer Übergibt das Schloss und das Amt Rotenberg samt Mühlhausen. Von 1462 Bis 1505 gehört Mühlhausen zur Kurpfalz.

1525 Der Aufstand der wirtschaftlich gedrückten Bauern war eine Bewegung, bei der soziale, politische – und beeinflusst von der neuen Lehre Luthers – auch religiöse Ideen miteinander verwoben waren.

April 1525 Die aufständischen Bauern versammeln sich bei Malsch und fordern die Umliegenden Dörfer – also auch Mühlhausen – schriftlich auf, sich dem Aufstand anzuschließen. Sie versammeln sich auf dem Letzenberg, erobern das Schloss Rotenberg und ziehen dann über Mühlhausen und Mingolsheim nach Bruchsal.

Mai 1525 Kurpfälzische Truppen erobern am 22. Mai zuerst Malsch und brennen es nieder. Danach zieht ein Teil der Truppen nach Mühlhausen, andere nach Rotenberg und Rauenberg. Johann von Dalheim, einer der Anführer des Bauernkriegs, wird am 23. Mai in Rotenberg, wo die kurfürstliche Reiterei lagerte, gefangen genommen, auf die obere Burg nach Heidelberg gebracht und dort enthauptet. Das kurpfälzische Heer stößt am 25. Mai nach Kislau und Bruchsal vor. Dort berät Kurfürst Ludwig mit Bischof Georg von Speyer über die Strafe für das Amt Rotenberg. Am 26. Mai müssen zwei Bürger aus Mühlhausen, Hanns Freiß und Wendel Müller nach dem Scheitern des Bauernkriegs den Unterwerfungsvertrag unterschreiben. Sie werden so lange zu Geiseln bestimmt, bis die auferlegte Geldstrafe bezahlt ist.

Juli 1525 In Anwesenheit des bischöflichen Hofmeisters Philipp von Helmstädt müssen die Untertanen des Amts Rotenberg – also auch Bürger aus Mühlhausen – in Mingolsheim dem Bischof huldigen und ihm die Treue Schwören.

1546 Schmalkaldischer Krieg. Durchmärsche von Truppen und Brandschatzungen im Amt Rotenberg

1552 Der Markgraf von Brandenburg besetzt das Hochstift Speyer und fordert Brandschatzungsabgaben

1618/48 Der Dreißigjährige Krieg bringt Leid, Not, Seuchen und Tod.

1621 Graf Mansfeld überfällt mit seinen Truppen die Stadt Rotenberg und plündert sie aus, wahrscheinlich auch Mühlhausen. Oberst Cazuga schlägt sein Quartier auf. Für die Verteidigung seines Bistums erhebt Fürstbischof Christoph eine Kriegssteuer. Auf Mühlhausen entfallen 1700 Reichstaler.

1622 Der kaiserliche Feldherr Tilly steht vor den Toren Wieslochs und trifft dort auf die Unionstruppen des Grafen Mansfeld. Durch das Angelbachtal erobert Tilly den mittleren und südlichen Kraichgau.

1623 Fürstbischof Philipp Christoph berichtet dem Papst über die Zustände in seinem Bistum: Drei Viertel der Bewohner seien von Haus und Hof  vertrieben, geflüchtet und ermordet. Die Priester würden verjagt, die Kirchen geplündert, die Altäre niedergerissen, die heiligen Gefäße geraubt und entweiht.

1623 Mühlhausen ist unter der Herrschaft des Pfalzgrafen und verpflichtet sich, eine Schatzung von jährlich 460 Reichstalern zu entrichten.

1627 Die anhaltende Trockenheit und Dürre führen zu einer unvorstellbaren Hungersnot.

1632 Die Soldaten des Schwedenkönigs Gustav Adolf dringen nach Wiesloch vor. In wenigen Tagen ist das Hochstift Speyer in ihrer Hand.

1633 Die Schlacht zwischen den Schweden und den kaiserlichen Truppen endet mit der Zerstörung Wieslochs. Auch die Burg Rotenberg fällt beim Ansturm der schwedischen Truppen in Schutt und Asche.

1634 Bis zum Ende des Jahres haben die kaiserlichen Truppen fast das ganze Rhein-Neckar-Gebiet zurückerobert.

1639 Viele Gebäude im Dorf sind verfallen. Auf der ganzen Gemarkung wächst kein einziger Weinstock mehr, alles Geflügel ist geraubt, Seuchen breiten sich aus.

1648 Der Friede von Osnabrück und Münster. Mühlhausen bietet ein Bild des Grauens. Das Rathaus und die meister Gebäude sind zerstört oder dem Verfall nahe. Das Dorf zählt nur noch 97 Einwohner.

1658 Erst zehn Jahre nach dem Krieg kann die Pfarrkirche, die im „Zustand des Verfalls“ war, wieder hergerichtet werden. Siedler und Handwerker aus verschonten Regionen werden angeworben.

1666 Im so genannten „Wildfangstreit“ erobern pfälzische Truppen im Oktober das Schloss Rotenberg.

1675 Im Holländischen Rachekrieg wir das Schloss Rotenberg unter Missachtung der Neutralität des Hochstifts von den Franzosen besetzt.

1688 Die Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. besetzen den Kraichgau. Überfälle, Mord, Raub, Hunger und Seuchen sind an der Tagesordnung. Es gibt so viele Kranke, dass die Medikamente nicht Ausreichen.

1741/56 Im Österreichischen Erbfolgekrieg und im Siebenjährigen Krieg erhalten französische Truppen in Mühlhausen Quartier und Verpflegung.

1799 Im 2. Koalitionskrieg muss die Gemeinde ein Kapital von 705 Gulden aufnehmen, um kurzfristigen Lieferungen an die Franzosen nachkommen zu können. Um festgehaltene Geiseln auszulösen, liefert Mühlhausen 18 Fuhren Heu und Hafer nach Wiesloch.

1800 Um größeren Schaden von der Gemeinde abzuwenden, muss Mühlhausen als Kriegsteuer an die franzosen die gewaltige Summe von 1483 Gulden aufbringen.

1802/03 Bei der Säkularisation wird das Hochstift Speyer aufgehoben und die rechtsrheinischen Gebiete in das Großherzogtum Baden eingegliedert.

1812/13 14 Soldaten aus Mühlhausen nehmen am Feldzug Napoleons gegen Russland teil. Nur einer kehrt zurück und stiftet das Russenkreuz.

1870/71 29 Männer aus Mühlhausen nehmen am Deutsch-Französischen Krieg teil. Am 18. Juni 1871 läuten in Mühlhausen die Glocken zum Frieden.

1914/18 Im 1. Weltkrieg stellten Mühlhausen 330 Kriegsteilnehmer. 62 von ihnen kehrten nicht mehr in ihre Heimat zurück.

1939/45 Auch im 2. Weltkrieg hatte Mühlhausen einen hohen Blutzoll zu entrichten. 114 gefallene, in Gefangenschaft oder in Lazaretten gestorbene
Bürger, außerdem 45 Vermisste bilden die traurige Bilanz dieses unseligen Krieges.

Die Geschichte der Kirchengemeinde St. Cäcilia

Die Pfarrei

Gemeinde und Kirchengemeinde waren im Mittelalter identisch. Das Kirchenjahr prägte das Leben in Dorf. Vom persönlichen Glauben der Dorfbewohner zeugen im Ort die wertvollen Steinkreuze und Bildstöcke. Sie wurden aus verschiedenen Anlässen gestiftet. Schon im 8. Jahrhundert hatte das Christentum in unserer Gegend feste Wurzeln geschlagen. Doch so ganz genau lässt sich das Alter der Pfarrei Mühlhausen nicht mehr bestimmen.

Zwar verschenkte im Jahre 976 Kaiser Otto II. 23 Dörfer, die der Abtei Mosbach gehörten – unter ihnen auch Mühlhausen – „zusammen mit den Kirchen“ an den Bischof von Worms. Die Schenkungsurkunde ist jedoch zu allgemein gehalten, als dass sie als sicherer Beweis für eine Kirche am Ort gelten könnte. Da Adlige im Mittelalter auf ihrem Grund und Boden eine Kirche gründen konnten, so dürfte auch unsere Kirche als eine „Privatkirche“ der Ortherren entstanden sein. Dafür spricht auch ihre Nähe zum herrschaftlichen Hof. Möglicherweise wurde die Kirche als herrschaftliche Grablege benutzt. Der Fund eines Sarkophagrestes (1080 – 1150) weist darauf hin.

Ursprünglich gehörten auch Rotenberg und Tairnbach (bis zur Reformation) zur Pfarrei Mühlhausen. Eine Urkunde von 1236 berichtet davon, dass ein gewisser Ulrich von Steinach auf sein Recht verzichtet, den Pfarrer einzusetzen. Dieses Recht übergab er an den Bischof von Speyer, dieser wiederum an das Domkapitel. Erstmals erfahren wir im Jahre 1401 von einem Pfarrer namens Conrad. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Pfarrei von 1676 bis 1718 vom Rotenberger Pfarrer mitversorgt.

Im 18. Jahrhundert gab es in Tairnbach eine Schlosskapelle, die zur Pfarrei Mühlhausen gehörte. Bis ins 19. Jahrhundert gehörte die Pfarrei zum Bistum Worms und kam dann an das neu gegründete Erzbistum Freiburg. Heute bildet die Kirchengemeinde St. Cäcilia eine Seelsorgeeinheit mit St. Juliana Malsch und St. Nikolaus Rettigheim.

Pfarrkirche und Kirchhof

Nach mittelalterlicher Gewohnheit erbaute man auch in Mühlhausen die Pfarrkirche auf den höchsten Punkt des damaligen Ortes in Ost-West-Richtung. Sie war ringsum vom Kirchhof umgeben, der durch eine Mauer vom Dorf getrennt war. Wie ein Fingerzeig weist der 42 Meter hohe Kirchturm zum Himmel. Wir laden herzlich zu einem Besuch der Kirche ein und möchten etwas über ihre Geschichte erzählen.

Der Turm ist der älteste Teil unserer Kirche, wobei der untere Teil um das Jahr 1250 errichtet wurde. Er beherbergt auch den alten Altarraum, der im Kreuzrippengewölbe der Decke im Schlussstein eine stilisierte Rose zeigt. Der achteckige Turmaufbau mit dem spitzen Dach wurde um das Jahr 1530 aufgesetzt. Der bereits erwähnte Sarkophagrest (heute im Museumshaus) aus der Zeit um 1080/1150 erzählt von einem älteren Kirchengebäude, das als Grablege für ein Adelsgeschlecht diente.

Die Kirche war im Mittelalter eine Wehrkirche. Deshalb umgab eine hohe Mauer den Kirchplatz mit dem Friedhof. Auf dem Platz stand außer dem Beinhaus auch eine nicht näher beschriebene „Behausung“ mit einem Weinkeller. Seine heutige Gestalt erhielt der Kirchplatz in den Jahren 2003/04. Das Wormser Synodale nennt die heilige Maria Magdalena als Kirchenpatronin.

Neben dem Hauptaltar besaß die Kirche einen Marienaltar. Wahrscheinlich stammt eine gotische Figur des heiligen Sebastian, die heute im Pfarrhaus steht, aus dieser Kirche. Im Jahre 1741 weihte der Wormser Weihbischof den Hochaltar der Mutter Gottes und der heiligen Cäcilia. Die Pieta im Marienbildstock in der Unteren Mühlstraße stand sehr wahrscheinlich im Mittelfeld des barocken Hochaltars. Seit dem18. Jahrhundert ist die heilige Cäcilia Patronin der Kirche.

Im Jahre 1805 wurde das alte Kirchenschiff abgerissen und die neue Kirche nach Plänen des Architekten Schwarz in Nord-Süd-Richtung gedreht. Passend zum gotischen Kirchturm wurden die Fenster in Spitzbogenform gestaltet. Die Kirche hatte drei Altäre, wobei der barocke Hochaltar aus der säkularisierten Franziskanerkirche in Heidelberg kam.

Der meisterhaft geschnitzte Christus am Kreuz unter der Empore sowie zwei klagende Putten in der Turmkapelle stammen von diesem Altar. Die Figur des heiligen Sebastian in der Turmkapelle wurde 1765 von der Gemeinde in Bruchsal erworben. Sie wird dem Bildhauer Joachim Günther (1720 – 1789) zugeschrieben. Vom Marienaltar ist ein barockes Jesuskind erhalten (Museumshaus), das zu einer Marienfigur gehörte.

In den Jahren 1881/82 wurde die Kirche um den Chorraum erweitert. Der neue Hauptaltar mit den vier Evangelisten (Museumshaus) kam 1883 aus der Werkstätte Franz Simmler in Offenburg. Die Seitenaltäre wurden 1882 in der Firma Franz Xaver Marmon in Sigmaringen gefertigt.

In den Jahren 1951/52 wurde unter Pfarrer Rudolf Kurz der Chorraum von 1881/82 abgerissen und ein neues Querschiff mit Altarraum erbaut. Architekt war Hans Rolli, die künstlerische Ausgestaltung lag in den Händen von Dr. Willy Oeser. Mit einer Länge von 54 und einer Breite von 24 Metern ist die Kirche dem Grundriss nach die größte Kirche des Angelbachtals.

Die Mosaikfenster aus Buntglas im Chorraum bilden zusammen mit den Keramik-Mosaiken im Querschiff ein dreiteiliges Altarbild. In der Mitte sehen wir Jesus, den Gekreuzigten. Um dieses Bild sind die Darstellungen der Geburt Jesu, des Letzten Abendmahls, der Kreuzabnahme und der Auferstehung angeordnet. Diese Bilder werden eingerahmt von den vier Evangelisten mit ihren Symbolen.

Der linke Seitenaltar zeigt Maria umgeben von Engeln. Auf dem rechten Seitenaltar steht der Tabernakel, darüber sehen wir das Bild des heiligen Josef, unter dessen Schutz der Papst die Kirche stellt. In der Turmkapelle befindet sich ein Mosaikfenster der Kirchenpatronin Cäcilia. Die Kapelle bildet auch den Abschluss eines eindrucksvollen Kreuzwegs von Emil Sutor. Die Orgel ist im Kern eine Voit-Orgel von 1891 (12 originale Register), die 1983 von Peter Vier um 12 Register erweitert wurde.