Miller, Olga
Energie- & Klimaschutzmanagement
Die Gemeinde plant gezielte Vorsorgemaßnahmen und gibt Tipps für die Bevölkerung
Starkregen, häufig im Sommer mit Gewittern, führt zu Überschwemmungen. Auch kleine Bäche können nach anhaltendem Regen anschwellen und überfluten, selbst außerhalb eingetragener Überschwemmungsgebiete.
Mit Fördermitteln des Landes entwickelte die Gemeinde Mühlhausen gemeinsam mit der geomer GmbH ein Starkregenrisikomanagement.
Stefan Jäger und Matthias Stork präsentierten das Projekt bei einer Bürgerinformationsveranstaltung im Bürgerhaus. Sie betonten, dass Sturzfluten nur eine sehr kurze Vorwarnzeit bieten.
Mühlhausen arbeitet interkommunal mit Wiesloch, Dielheim, Malsch, Rauenberg, Östringen, Bad Schönborn und Kronau. Für die Kommunen wurden Starkregenkarten erstellt, die auf www.starkregengefahr.de einsehbar sind. Auf Basis der Karten wurden für öffentliche Gebäude Steckbriefe mit Hochwasserschutzmaßnahmen erstellt; private Eigentümer sind gesetzlich zur Eigenvorsorge verpflichtet.
Die Karten zeigen drei Szenarien: selten (alle 30 Jahre), außergewöhnlich (alle 100 Jahre) und extrem (mehr als 100 Jahre). In vier Farbstufen von hell‑ bis schwarzblau wird die Überflutungstiefe dargestellt, die Fließgeschwindigkeit anhand paralleler Linien erkennbar.
Eine drei‑Stunden‑Animation verdeutlicht, dass der Waldangelbach innerhalb einer halben Stunde anschwillt. „Sie haben maximal 20 Minuten Zeit um sich darauf vorzubereiten“, erklärte Stork.
Das Hochwasserrückhaltebecken am Zusammenfluss von Waldangelbach und Tairnbächle schützt Mühlhausen, reicht jedoch bei Extremhochwasser möglicherweise nicht aus, sodass ein Restrisiko für Rettigheim und Tairnbach bleibt.
Bürgermeister Jens Spanberger wies auf den erodieranfälligen Kraichgauer Boden hin und bemerkte, dass Gewitter früher im Jahr auftreten. Bei Sturzregen kann feiner Löß von unreifem Mais ins Wasser gelangen; in Tairnbach sei bereits das gesamte Dorf von Löß überflutet worden.
Auch das Risiko von Hangrutschungen besteht; das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) in Freiburg liefert dazu Informationen.
„Das Wichtigste ist, dass Sie vorbereitet sind“, sagte Stork und riet Eigentümern, das umfangreiche Informationsangebot im Netz zu nutzen.
Gebäude lassen sich durch Einfassungen, Schwellen, dichte Fenster, Mauern oder Rückstausicherungen schützen; wichtige Dokumente sollten außerhalb der Risikozonen aufbewahrt werden.
Sturzfluten kommen überraschend, oft nachts. Daher gilt: Hochwasserwarnungen verfolgen, Hilfsbedürftige in Sicherheit bringen, das Haus nicht verlassen und überschwemmte Keller oder Räume nicht betreten – Stromschlaggefahr vermeiden.
Starkregenereignisse der letzten Jahre zeigen, dass sie jeden betreffen. Experten bestätigen steigende Häufigkeit, hohe Schäden und Gefahr für Leib und Leben. Die Vorwarnzeit ist kurz, sodass die Bevölkerung kaum Zeit zur Vorbereitung hat; Vorsorge ist daher zentral im Starkregenrisikomanagement.
Gemeinde Mühlhausen entwickelte mit geomer GmbH (Heidelberg) und Landesfördermitteln ein Starkregenrisikomanagement. Die erstellten Starkregengefahrenkarten bilden die Basis für Schutzmaßnahmen der öffentlichen Infrastruktur.
Mit den Karten können Gemeinde Mühlhausen und ihre Bürger Gefährdungen öffentlich und privat erkennen. Grundstückseigentümer erhalten Informationen zur Lage ihres Grundes, um Vorab‑Vorkehrungen zu treffen. Die Karten dienen primär der Vorsorge.
Starkregengefahrenkarte für Mühlhausen
2025 beschlossen Wiesloch, Rauenberg, Dielheim, Malsch, Östringen und Mühlhausen, das Starkregenrisikomanagement um Abflussprävention zur Reduktion von Oberflächenabfluss, Bodenerosion und Sedimenteintrag zu erweitern und einen kooperativen Maßnahmenkatalog zur Erosionsprävention zu erstellen.
Nach der Grundlagenerhebung führte terra fusca Ingenieure eine Brennpunktlokalisation durch und erstellte einen Kartenplan der Risikobereiche in den Außengebieten als Diskussionsgrundlage. Am 18.02.2026 fand im Rathaus von Mühlhausen ein landwirtschaftlicher Informationsabend mit Vorträgen von Diplom‑Agrarbiologe Dr. Billen und der Umweltbeauftragten des GVV Rauenberg zu möglichen Maßnahmen statt. Jetzt beginnt die Maßnahmenplanung; der Kartenplan wird veröffentlicht und bereitgestellt.
Riskobereiche für Erosion und Abfluss in Aussengebieten (PDF)
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