Festakt in der Kraichgauhalle / Höchste Auszeichnung der Gemeinde für zwei kommunalpolitische Urgesteine
Es gibt besondere Tage im Leben einer Gemeinde, Tage, an denen man innehält, um danke zu sagen. Ein solcher Tag war am letzten Freitag, als die Gemeinde Mühlhausen durch Bürgermeister Jens Spanberger bei einer Feierstunde in der Kraichgauhalle an zwei verdiente Bürger, Ewald Engelbert und Rüdiger Egenlauf, für ihr Lebenswerk die Ehrenbürgerwürde verlieh, für ein „Leben voller Herzblut, Tatkraft und unermüdlichem Einsatz für die Menschen“ in Mühlhausen, Rettigheim und Tairnbach. Wenn die Gemeinde Mühlhausen diese zwei Männer auszeichnete, die diese Auszeichnung mehr als verdient haben, dann ehrte sie gleichzeitig zwei tragende Säulen der Dorfgemeinschaft. „Es sind Menschen, die unserer Gemeinde ein Gesicht geben“, betonte Bürgermeister Jens Spanberger in seiner Laudatio. Mit „großem persönlichen Einsatz, viel Herzblut und einer tiefen Verbundenheit zu ihrer Heimat“ hätten die beiden neuen Ehrenbürger diese höchste Auszeichnung verdient.
Groß war auch die Zahl der Gäste, die zum Festakt in die Kraichgauhalle gekommen waren und von Bürgermeister Jens Spanberger begrüßt wurden: Vertreter aus Kommunalpolitik, Bürgermeister der Nachbargemeinden, Kirchen, Schulen, Sportverband, Verwaltung, Vereinen und Gruppen, Feuerwehren und sogar von der evangelischen Partnergemeinde in der Schweiz.
Für den festlichen, musikalischen Rahmen sorgten der Musikverein „Eintracht“ Rettigheim unter seiner Dirigentin Christiane Weinmann und der Evangelische Posaunenchor Tairnbach unter der Leitung von Nicole Uhrich-Kröller. Feierlich eröffnet wurde der Abend durch den Musikverein „Eintracht“ mit „Fanfare Festive“. Bei der „Hymne von Basel Tattoo“ sorgte der Auftritt des Dudelsack-Solisten für viel Beifall. Eigens vom neuen Ehrenbürger Ewald Engelbert gewünscht präsentierte der Musikverein noch den „Böhmischen Traum“. Feierlich intonierte der Posaunenchor das Werk „Johannistag“, gefolgt vom weltbekannten, emotionalen Popsong „You Raise Me Up“. Schließlich vereinigte man sich musikalisch mit dem Publikum mit dem „Badnerlied“. Die musizierenden Vereine spielten ausschließlich Wunschmelodien der zu Ehrenden.
Ewald Engelbert hat über vier Jahrzehnte die Geschicke unserer Heimat, unserer Gesamtgemeinde Mühlhausen mit ihren Ortsteilen Rettigheim und Tairnbach aktiv mitgestaltet – über sieben Amtsperioden im Gemeinderat, zehn Jahre als stellvertretender Bürgermeister, viele Jahre als Ortschaftsrat von Rettigheim. Ewald Engelbert war – wie es Bürgermeister Jens Spanberger einmal treffend formulierte, „das Gesicht von Rettigheim“. Wer heute durch Rettigheim geht, begegnet seiner Handschrift auf Schritt und Tritt. Die alte Scheune, der Dorfplatz, das Amphitheater bei der Schule, die Dorfbrunnen, das Gemeindezentrum St. Nikolaus, der Kindergarten „Arche“, die Denkmäler der Dorfgeschichte, die Marienkapelle – bei all diesen Projekten hat er mitgewirkt, war oft Ideengeber und Initiator.
Das sind nicht nur Gebäude aus Stein und Beton. Es sind Orte der Begegnung. Hier wurden Räume geschaffen, in denen Menschen zusammenkommen, sich begegnen, Gemeinschaft leben und erleben können. Ewald Engelbert hat durch sein ehrenamtliches Engagement gezeigt, was lebendige Gemeinde ausmacht: Es sind nicht die Paragrafen oder die Verwaltung, die eine Heimat gestalten – es sind die Menschen, die anpacken, die zuhören, die das Gemeinwohl über die eigenen Interessen stellen. Ewald Engelbert war und ist in seinem Heimatort nahezu überall präsent.
Auch das Wirken von Rüdiger Egenlauf hat tiefe, sichtbare Spuren hinterlassen. Als langjähriger Ortsvorsteher hat er sich stets für die Belange der Bürgerinnen und Bürger eingesetzt und hat Tairnbach eine starke Stimme gegeben und das dörfliche Miteinander maßgeblich geprägt. Das kommunalpolitische Wirken und die persönliche Lebensleistung lassen sich kaum in Worte fassen. Rüdiger Egenlauf kann auf stolze 30 Jahre Mitwirkung im Ortschaftsrat zurückblicken, dazu 25 Jahre als Ortsvorsteher und Gemeinderat. Hier seien nur Egenlaufs persönlicher Einsatz bei einigen Bauprojekten erwähnt: Sanierung der Tairnbacher Ortsmitte rund um die Dreschhalle, Sanierung des Schlossgebäudes, Planungen zum Neubau der Grundschule, die Sanierung des Kindergartens „Senfkorn“, Unterstützung der SG Tairnbach beim Bau der Sporthalle und der Sportanlagen, Förderer der örtlichen Vereine und Gruppen. Bei seiner Verabschiedung im Gemeinderat bezeichnete ihn sein Gemeinderatskollege Hans Becker als „das prägende Gesicht von Tairnbach, der mit Überzeugung und Nachdruck die Interessen des Ortsteils hartnäckig vertreten und zugleich die Weiterentwicklung der Gesamtgemeinde immer im Blick gehabt hätte“.
Aber sein Engagement ging und geht weit über das politische Amt hinaus. Ein Projekt liegt ihm ganz besonders am Herzen, und dafür gebührt ihm große Bewunderung und Dankbarkeit: Das Tairnbacher Dorflädl. Seit der Gründung vor über zehn Jahren ist er Motor, der Initiator und der verlässliche Mitarbeiter dieses Projekts. Ob im Aufsichtsrat, als Vorstand oder einfach tatkräftig vor Ort: Rüdiger Egenlauf hat dafür gesorgt, dass Tairnbach ein Stück Lebensqualität und einen Dorftreffpunkt behält. Darüber hinaus engagiert sich Rüdiger Egenlauf ehrenamtlich als Vorsitzender des Heimatvereins und im Jugendzentrum „Down Under“. Als Chorleiter des Posaunenchors und langjähriges Mitglied im Kirchengemeinderat und dessen Vorsitzender ist Egenlauf eng mit der evangelischen Kirchengemeinde Mühlhausen-Tairnbach verbunden.
Der ehemalige Bürgermeister und Ehrenbürger der Gemeinde, Karl Klein, würdigte in seiner Festansprache „das langjährige kommunale, kirchliche und gesellschaftliche Wirken“ der beiden neuen Ehrenbürger. Das öffentliche, kommunale, kulturelle und kirchliche Leben wäre ohne dieses Engagement um vieles ärmer. Zurecht stünden die beiden und ihre Familien im Mittelpunkt dieser Feierstunde. Karl Klein erinnerte an die zwanzig Jahre des Miteinander, der Ideen und Initiativen, natürlich „schwerpunktmäßig“ für die Ortsteile, aber immer auch in der „Gesamtverantwortung“. Große und herausfordernde Aufgaben habe man gemeinsam gelöst: Die Ortsumgehung, Neubau des Rat- und Bürgerhauses, Ortskernsanierungen, Kindergärten, Erschließung von Neubaugebieten, Sanierungen von Schulen und Straßen, Neugestaltung der Friedhöfe.
Für Karl Klein war es in seiner Festrede besonders wichtig, auf die „den Menschen zugewandte Seite“ von Ewald Engelbert und Rüdiger Egenlauf hinzuweisen. Beide seien immer kompetente, gerechte und hilfsbereite Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger, die Vereine, für die Kirchen und sonstige Gruppierungen gewesen. Diese verständnisvolle, ausgleichende und menschliche Art habe es ermöglicht, getragen vom großen Vertrauen der Bürgerschaft, so viele Jahre an der guten Entwicklung und Gestaltung der Gesamtgemeinde mitzuwirken. Schließlich richtete Karl Klein noch einen speziellen Dank an Ewald und Rüdiger für die „persönliche Freundschaft mit den Familien, die heute noch trägt“. Glückwünsche überbrachte er vom Ehrenbürger Rudi Kramer und fügte schmunzelnd hinzu, als Ehrenbürgerquartett könne man jetzt eine Skatrunde gründen.
Anschließend würdigte Bürgermeister Jens Spanberger das Wirken von Ewald Engelbert als Ortschafts- und Gemeinderat, Ortsvorsteher, Bürgermeisterstellvertreter, Bewahrer der Heimatgeschichte. Über 40 Jahre habe Ewald Engelbert seinen Heimatort Rettigheim aktiv begleitet und maßgeblich mitgestaltet. Die zehn gemeinsamen Jahre seien für ihn als Bürgermeister sehr wertvoll und prägend gewesen. Doch bei allen Projekten sei es den Geehrten nie allein um Gebäude, Straßen oder Plätze gegangen, sondern vor allem um das gute Miteinander und den Zusammenhalt. Für Engelbert habe sich Kommunalpolitik nicht nur in Sitzungszimmern abgespielt, sondern vor allem im direkten Kontakt mit den Menschen. Bis heute sei auch die Heimatpflege ein besonderes Anliegen. Für dieses jahrzehntelange Engagement sei die Gesamtgemeinde von Herzen dankbar.
In seiner Laudation nannte Bürgermeister Jens Spanberger den neuen Ehrenbürger Rüdiger Egenlauf „eine echte Tairnbacher Größe“, der den Ortsteil wie kein anderer geprägt habe. Besonders der Leitspruch „Tairnbach ist uns lieb und teuer“ habe durch Egenlauf eine neue Bedeutung erhalten. So seien die städtebaulichen Entwicklungen eng mit der Person von Rüdiger Egenlauf verbunden. Beispielhaft nannte Spanberger den Kindergarten Senfkorn, die Feuerwehrgerätehalle, die neue Grundschule, die Neubaugebiete sowie das „Dorflädl“, den „Treffpunkt für alle Generationen“. Neben diesem Engagement sei Egenlauf noch Dirigent des evangelischen Posaunenchors, 1. Vorsitzender des Heimatvereins und in der Vorstandschaft des Deutschen Roten Kreuzes. Spanberger dankte dem Geehrten für seinen „großartigen Einsatz und die persönliche Unterstützung“. In seinen Dank schloss Spanberger auch die Familien der neuen Ehrenbürger ein.
„Diese Auszeichnung ist für mich eine große Ehre“, so Ewald Engelbert in seinen Dankesworten. Doch sie gebühre ihm nicht allein. Bei allen Vorhaben habe er treue Helfer an seiner Seite gefunden, die sich mit „Interesse und Herzblut“ engagiert hätten. Gemeinsam hätte man sich bemüht, zu erreichen, was „der Heimat zugutekommt“. Doch bürokratische Hürden hätten so manches Vorhaben blockiert oder verzögert. Aber sein Wahlspruch – gemäß dem Zitat eines Fußballtrainers – sei nach wie vor: „Ich habe noch nicht fertig“. Denn der 1950er sei ein guter Jahrgang.
„Begeistert und dankbar“ zeigte sich Rüdiger Egenlauf über den „großen Bahnhof“ in der Kraichgauhalle. Manchmal frage er sich, wann er das alles gemacht hat. Es sei nicht leicht für eine Ehefrau, einen „Vereinsmeier“ zum Ehemann zu haben. Egenlauf dankte seiner Familie für die „grenzenlose Geduld“. Allen Wegbeleitern dankte er für die vertrauensvolle Zusammenarbeit, Verlässlichkeit und Wegbegleitung. Sorge bereitet Egenlauf sein „Herzensprojekt Dorflädl“. Er rief seine Tairnbacher dazu auf, gemeinsame Wege zu finden, um diesen „sozialen Treffpunkt“ zu erhalten. Im Rückblick bleibe ihm sein vielseitiges Engagement in guter Erinnerung.
Im Anschluss an die Feierstunde hatten die Besucher die Gelegenheit, den neuen Ehrenbürgern ihre Glückwünsche zu überbringen und bei einem Empfang bei kulinarischen Spezialitäten und Getränken gute Gespräche zu führen und die Gemeinschaft zu pflegen.
Bericht: Rudi Kramer